Iniciación a la Sombra mit Sira Hernández

‚Iniciación a la Sombra’ ist eine Performance der Pianistin Sira Hernández mit Pau Aran, bei der beide auf der Bühne improvisieren und dabei miteinander interagieren, so dass die entstehende Musik die Bewegungen des Tänzers anzustoßen scheint, aber auch das Gegenteil: Jeder improvisierte Schritt, jede improvisierte Geste eröffnet unerwartete neue Perspektiven auf die Musik.

Die zentrale Idee des Stücks ist der Schatten als ursprünglicher Kern vor der gesamten Schöpfung, das Formlose, das alles zur Welt bringt und gleichzeitig als Spur von jenem geheimnisvollen Moment seiner Entstehung fortbesteht.

Der Name der Performance ist dem Buch des Dichters Ángel Crespo entlehnt, das ebenfalls den Titel ‚Iniciación a la Sombra’ (HIPERION, 1996) trägt und zu diesem Anlass von dem Dichter und Übersetzer Francesc Parcerisas ins Katalanische übersetzt wurde. Das Buch diente als Referenz und Inspiration für die Aufführung.

Zur Vorstellung gehört auch eine Set-Installation der bildenden Künstlerin Stella Rahola Matutes, so dass das Set auch eine gemeinsame Meditation der drei Künstler zum Thema Schatten darstellte.

Ein Jahr nach der Erstaufführung im Jahr 2016 wurde die Show in Madrid im Rahmen des Ellas-Crean-Festivals präsentiert. Bei dieser Gelegenheit gab der Schauspieler Manuel Galiana den Vortrag für den Abend.

Barcelona. Abends. Aus einem Tunnel weht die Melodie eines Klaviers hervor. Neben ihm hört man einen Tanz, zerbrechlich, wie eine Silhouette, die am Klavier sitzt und sich zu verstecken scheint. Fragen und Antworten tauchen als begleitende Rhythmen auf. Zwei Männer gehen und kreisen wie Umlaufbahnen auf der Suche nach einer eigenen Richtung.

Einer von ihnen beginnt einen weiteren Tanz…

Dort, umarmt von seinem Schatten, neugierig auf die Sonne, die ihn aus der Ferne begleitet, geht er auf den Beinen eines Tieres, das ihm nicht mehr gehört. Er gleitet über das Klavier. Er bleibt stehen, wie die Erinnerung an eine Vergangenheit, die zurückkehrt. Währenddessen offenbart sich der andere Mann als derjenige, der spricht, der uns mit seiner Stimme durch die Vorstellung führt und im Wechsel Poesie vorträgt.

Der erste wird von der Melodie angesteckt, von jenen wachsenden Melodien, die sich wie Ranken durch seinen Rumpf emporwinden. Wie oft habe ich mich schon gefragt, wer für diesen ungeheuren Zufall verantwortlich ist? Wie viele Nächte, in denen ich auf den Traum wartete, quälte mich der Gedanke an das kleinste Atom unserer Existenz? Mitten in dieser Leere wurde er nachts durchnässt und tanzte im hellen Schein unbekannter Sterne.

So tanzte er, und seine Hände warnten ihn, dass er den Boden nicht vergessen dürfe, dass seine Füße diesen Boden brauchten und er trotz seiner flüchtigen Impulse kein Vogel mehr sei. Er fiel und stand auf, drehte sich so schnell er konnte und übernahm dieses neue Territorium. Dann versetzte er Berge und besänftigte das Rauschen der Meere.

Stille.

Gekrümmt, zögernd, schützte er sich, seine Hände umarmten sein Gesicht und fanden Kontakt. Diesmal drehte er sich leise um und atmete tief durch. Dort öffnete er die Augen und akzeptierte seinen menschlichen Zustand, beschloss, von unserer Seite zu kommen, seine Unsicherheit und seine Utopien zu teilen.

Alle Musik – wenn sie rein ist – muss vom Schatten umgeben sein; und dass ihre Worte ein Wirbelsturm zwischen Licht und Dunkelheit sind, ähnlich wie die der Welt, wenn sie so selten zu uns sprechen und unsere Überraschung hören will...
Ángel Crespo (1926-1995), ‘Iniciación a la sombra’

Iniciación a la Sombra mit Sira Hernández

2015 Barcelona

2016 Madrid

35 minuten

MUSIK

Sira Hernández

REGIE

Rubén Martín

CHOREOGRAFIE & TANZ

Pau Aran

REZITATION

Francesc Parcerisas (Barcelona), Manuel Galiana (Madrid)

BÜHNENBILD

Stella Rahola Matutes

VIDEO

Charlie Cattrall

KOSTÜME

Sira Hernández, Cortana, Bohemia’s

UNTERSTÜTZUNG

Festival Ellas Crean, Centro Cultural Conde Duque, Arts Santa Mònica – Departament de Cultura, Teatre-Auditori de Sant Cugat

Pau Aran