Tres maneras

Im Rahmen des von Camille Hanson kuratierten Projekts ‚Coreógrafos en Comunidad’ im Madrider Centro Conde Duque recherchierte, initiierte und schuf Pau Aran gemeinsam mit den vier in Madrid ansässigen Künstlern Diana Bonilla, Sergio Celebrowsky, Laura Cuxart und Naiara Rojo das Stück ‚Tres Maneras’.

In der Recherche ging es um Ideen von Performance und Ort. Der Blick richtete sich dabei auf die notwendige Infragestellung von Räumen. Denn Pau arbeitete hier mit Künstlern, die eine langjährige Beziehung zur Stadt Madrid, aber ein Gefühl mangelnder Unterstützung hatten. Ein greifbares und physisches Gefühl, da die zeitgenössische Tanzszene vom Staat weder angemessen noch ausreichend gefördert wird.

Eine tief empfundene Verletzlichkeit, die jedoch eine außerordentliche innere Stärke wachrufen kann. Das Gefühl der Hilflosigkeit angesichts größerer Strukturen in der Stadt, aber dann die Erkenntnis, dass der Mangel an Ressourcen gegen den Missbrauch von Infrastrukturen kein Hindernis darstellt, sich mithin eine Macht und Freiheit manifestieren kann. Die Auslösung dieses schlummernden Potenzials wurde zum Ausgangspunkt des Gruppenstücks.

Das Stück zeigt die Wege dreier Frauen in verschiedenen Lebensphasen: eine ist schwanger, die andere nicht, die dritte hat den Jungen Eliott zur Welt gebracht.

Eine Frau tritt auf, sie schaut, sie bleibt stehen, sie geht wieder los und ändert die Richtung, als ob sie von ihrem Schatten begleitet würde. Eine andere Frau beobachtet, sitzend, an eine Wand gelehnt. Eine dritte Frau erscheint mit dem Blick zu Boden, wie vor sich selbst versteckt. Langsam. Sie wartet.

Sie befinden sich in einem Strudel. Lange Haare, schwarze Hosen, weiße Hemden. Jede ist von den anderen abwesend, bis sie sich ansehen und zum gemeinsamen Tanz entschließen. Dann lädt der leere Raum selbst dazu ein, ihn in Besitz zu nehmen, gemeinsam in ihm und mit ihm kreativ zu werden.

Blicke und Komplizenschaft. Aufschub und Warten. Aktionen vereinen und trennen sie stets von neuem: Sie hüllen sich in ihr Haar und lassen dann ihre Hände entweichen, um neue Horizonte aufzutun.

Verschiedene Impulse und Gesten vereinen und trennen: Sie fassen die Luft mit den Fingern, sie schwimmen hindurch, kleine Windstöße eröffnen Fluchtwege. Sie drehen sich, um die Verbindung zwischen Luft und Herzen zu erspüren.

Dringlichkeit. Brüche. Schweben. Poesie.

Sich festhalten, um Teil der Idee des Anderen zu werden, laufen, um die Ruhe zu brechen, Formen bilden, die eine Gruppenpräsenz schaffen. Zum Anfang zurück und solo tanzen. Hinfallen und aufstehen. Hinfallen und aufstehen. Zum Anfang zurück, aber diesmal ganz anders…

Dann lädt der leere Raum selbst dazu ein, ihn in Besitz zu nehmen, gemeinsam in ihm und mit ihm kreativ zu werden.

Tres maneras

2016

Madrid

25 minuten

REGIE

Pau Aran

KREIERT MIT UND AUSGEFÜHRT VON

Diana Bonilla, Laura Cuxart, Naiara Rojo Espino

DRAMATURGIE

Pau Aran

ASSISTENT

Sergio Celebrovsky

VIDEO

Sergio Celebrowsky, Charlie Cattrall

FOTOGRAFIE

Sergio Celebrovsky

MITARBEITERN/BESONDERER DANK

Camille Hanson

UNTERSTÜTZUNG

Centro Cultural Conde Duque, Madrid

Pau Aran